5 würdevolle Rituale bei freien Beerdigungen
Das Einbinden von Ritualen bei freien Trauerzeremonien ist wertvoll und bedeutsam zugleich. Es erleichtert den Abschied und gibt der Trauer und dem Abschied einen Rahmen, der Halt und Orientierung schenkt! Rituale können helfen, in gewisser Weise Frieden zu schließen und können wichtiger Bestandteil der Trauerbewältigung sein.
Den Abschied mit Ritualen begleiten - wertvoll und bedeutsam zugleich!
„Hast Du Angst vor dem Tod“ fragte der kleine Prinz die Rose? Darauf antwortet sie: „Aber nein. Ich habe doch gelebt, ich habe geblüht und meine Kräfte eingesetzt soviel ich konnte. Und Liebe, tausendfach verschenkt, kehrt wieder zurück zu dem, der sie gegeben“
Rituale sind seit jeher feierlich-festliche Handlungen mit hohem Symbolgehalt, die zu besonderen Anlässe und Lebensübergängen wie Geburten, Hochzeiten oder Begräbnissen stattfinden. Rituale geben Gefühlen, Stimmungen und dem innerem Erleben, Ausdruck. Dieser Ausdruck lässt alle Anwesenden zu einer Gemeinschaft wachsen. Ein Ritual kann bei einer freien Beerdigung die Trauer und den Tod, der nur schwer zu greifen und zu begreifen ist, in der Gemeinschaft auffangen. Geteiltes Leid, ist halbes Leid – ein Sprichwort, das wahrlich seine Bedeutung hat.
Beerdigungen sollten kein Anlass sein, die wie ein Schattenschleier unbeteiligt an einem vorüberziehen. Rituale können helfen, diesen Schweren Moment des Abschieds bewusst zu erleben und positiv zu prägen. Dies wirkt sich in den meisten Fällen vorteilhaft auf den anschließenden Verlauf der Trauerbewältigung aus.
Rituale sollten insbesondere auch Kindern die Möglichkeit geben Abschied zu nehmen. Rituale können Kindern aufzeigen, dass die Vergänglichkeit elementarer Teil des Lebens ist und der Tod zum Leben dazu gehört. In einem Ritual können Kinder zum Beispiel symbolisch der verstorbenen Person zum Abschied etwas mitgeben. Dies kreiert einen Moment des Abschiednehmens, an den man nicht voller Trauer zurückdenkt, sondern u.U. später als Erwachsener und sogar ein Leben lang mit einem Gefühl der Liebe und Dankbarkeit im Herzen weiterlebt.
„Man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar“
Grundsätzlich ist bei Ritualen zu beachten, dass dieses zum Leben der verstorbenen Person passt und sich die trauenden Angehörigen mit dem Ritual identifizieren können.
Im Folgenden eine Auswahl von Ritualen bei freien Trauerfeiern – jeweils in Kombination mit einer speziellen Anregung für Kinder.
Kindern und das Ritual der Seifenblasen
Kinder lieben Seifenblasen! Vielleicht geben Sie nur den anwesenden Kindern die Flaschen mit den Seifenblasen in die Hand oder jüngere Kinder bekommen automatische Seifenblasensprüher. Die Kinder dürfen die Seifenblasen pusten und aufsteigen lassen … die Erwachsenen hauchen den Seifenblasen gute Gedanken oder Wünsche an die verstorbene Person ein oder schöne Erinnerungen voller Dankbarkeit an die gemeinsame Zeit … wenn die Seifenblasen zerplatzen, sind diese übergegangen in die nicht sichtbare Welt und bei der verstorbenen Person!
Tip: verwenden Sie kleine Seifenblasenfläschchen, wie diese z.B auch bei Hochzeiten verwendet werden. Diese sind günstig und funktionieren besonders gut!
Seifenblasen aufsteigen lassen
Seifenblasen sind wunderschön; in voller Farbenpracht schimmernd schweben sie nahezu schwerelos gen den Himmel. Doch sie sind äußerst zerbrechlich und erinnern uns an die Vergänglichkeit. Auch die Existenz des Menschen ist vergänglich und nichts währt für ewig.
Wie schön und erhebend ist es, während der Gedenkfeier schöne Erinnerungen an die verstorbene Person in Verbindung mit Seifenblasen in den Himmel aufsteigen zu lassen. Seifenblasen erinnern an die Leichtigkeit des Seins und nehmen dem Moment des Abschieds automatisch etwas von der Schwere.
Das Ritual der Seifenblasen gepaart mit schöner Musik und angeleitet mit passenden Worten … ein erhabener Moment voller Zauber und Leichtigkeit.
2. Briefe/Bilder an die verstorbene Person
Ein schönes und äußerst bedeutsames Ritual bei freien Beerdigungen kann es sein, alle Trauergäste zu bitten - natürlich auf freiwilliger Basis - im Vorfeld einen Brief an die verstorbene Person zu schreiben und diesen dann zur Trauerzeremonie mitzubringen. Dieses kann auch eine Postkarte mit einem schönen Bild oder passenden Spruch sein, die mit einem persönlichen Wunsch/Spruch versehen wird.
Schriftliche Worte
Inhalt des Briefes oder der Karte kann beispielsweise sein:
Was möchten Sie der verstorbenen Person sagen?
Gab es zu Lebzeiten Worte, die nicht ausgesprochen werden konnten? … auch Worte des Vorwurfs oder das Unverständnisses über Haltungen und Entscheidungen im Leben können hier falls nötig Platz finden. Viele verschiedene Gedanken und Gefühle stecken in uns … ein geschriebener Brief oder eine Karte kann ein wertvolles Medium sein, diesen Gedanken und Gefühlen Worte zu verleihen und mit in den Abschied zu integrieren und können so einen wertvollen Beitrag leisten, um Frieden mit der Vergangenheit zu schließen.
Welchen Wunsch möchten Sie der verstorbenen Person mitgeben?
Was hat Ihnen die verstorbene Person bedeutet?
Was haben Sie von ihr/ihm gelernt?
An welche gemeinsamen Momente denken Sie voller Dankbarkeit zurück und möchten diese Dankbarkeit zum Ausdruck bringen?
Diese Briefe und Karten werden in einem Ritual, von jeder/m der dies möchte persönlich, an den Sarg oder die Urne gelegt und anschließend mit vergraben oder in die Urnenwand gelegt werden. Es gibt auch die Möglichkeit diese im Anschluss in einer bereitgestellten Feuerschale o.ä. zu verbrennen und so in die nicht sichtbare Welt zu übergeben.
Dieses Ritual können beispielsweise nur die nahen Angehörigen machen, ohne die gesamte Trauergemeinschaft dazu zu bitten oder alle im Vorfeld zu informieren. Doch dieses Ritual auch für eine gesamte Trauergemeinschaft geöffnet werden.
Manchmal möchten Vereine oder Firmen etwas am Grab sagen – und Sie möchten dies nicht!?! Lassen Sie diese Worte schriftlich formulieren und diese Worte schriftlich als Grabbeigabe beilegen, ohne dass diese vor der versammelten Trauergemeinschaft gesprochen werden.
Kinder und das Ritual Brief/Bilder an die verstorbene Person
Lassen Sie den Kindern Zuhause ein Bild an die verstorbene Person malen, ohne vorzugeben, wie dieses Bild auszusehen hat. Lassen Sie der Kreativität Ihrer Kinder den vollen Spielraum – ohne zu interpretieren, zu bewerten und ohne zu kommentieren! Oder Sie geben den größeren Kindern, die bereits schreiben können, auch die Möglichkeit dies in Worte zu fassen. Auch hier kann das Format eines Briefes gewählt werden. Was möchtest Du der verstorbenen und unter Umständen geliebten und nahestenden Person sagen? Vielleicht kommen die Kinder auch auf die Idee etwas zu basteln … auch ein schöner Beitrag! Dies schafft für die Kinder eine kraftbeseelte Form der Herzensverbindung. Die Kinder blicken später nicht nur auf einen Moment der Trauer zurück, sondern einen Moment, an dem ihre persönliche Geste den Abschied begleitet hat und deren Herzen in Form einer liebevollen Erinnerung aufgeht.
„Was man tief in seinem Herzen besitzt, kann man nicht durch den Tod verlieren.“ Johann Wolfgang von Goethe
Hintergrund des Rituals: in vielen Kulturen, nicht nur bei den alten Ägyptern, gab es seit Jahrtausenden den Brauch der Grabbeigaben. Wichtige Objekte wurden absichtlich der toten Person ins Grab gelegt. Es ging darum, der Person im Jenseits damit zu versorgen. Pharaonen wurden so ein Füllhorn an Reichtümern mitgegeben. Noch heute symbolisieren Grabbeigaben die Wertschätzung gegenüber der verstorbenen Person und sollen diese ehren und würdigen. Das Ritual einer Grabbeigabe begünstigt die Trauerbewältigung. Es ist eine sehr schöne Geste, dem geliebten Menschen eine schöne Erinnerung mit auf den Weg zu geben.
3. Ein Blumenstrauß der Einzigartigkeit
Blumen sind seit jeher ein Symbol der Vergänglichkeit. Sie wachsen, blühen voller Pracht und Intensität, ehe sie später wieder vergehen.
Laden Sie jeden Trauergast dazu ein, eine Blüte (gekauft oder aus dem Garten oder am Wegesrand gepflückt) oder einen Zweig zu der Trauerzeremonie mitzubringen.
Vorne beim Sarg oder der Urne steht ein Gefäß, in das jeder Trauergast als Zeichen des persönlichen Abschieds diese Blume hiein gibt – vielleicht gedanklich versehen mit einem guten Wunsch an die verstorbene Person. Es entsteht ein Strauß voller individueller Blütenpracht und Einzigartigkeit – so wie die verstorbene Personen eben auch war – voller Individualität und Einzigartigkeit.
Auch kann ein Mooskranz vorne bei der Urne liegen. Dieser muss nicht zwingend von einer Gärtnerei oder vom Floristen vorbereitet, sondern kann auch von Ihnen persönlich angefertigt werden. Es könnte auch ein Kranz aus Steckschwamm umwickelt mit Moos vorbereitet vorne liegen, in den dann die einzelnen Blüten hineingesteckt werden - so kann der Blütenkranz der Urne auf ganz besondere Weise entstehen.
Kinder und der Blumenstrauß der Einzigartigkeit
Gehen Sie mit Ihren Kindern vor der Trauerzeremonie zum Gärtner oder Floristen und lassen Sie die Kinder jeweils eine Blüte aussuchen … oder Sie fahren im Frühling/Sommer auf eine Wiese und lassen hier die Kinder die passenden Blumen pflücken. Der eigene Garten oder der Garten von Freunde kann hier ebenso gut geeignet sein. Geben Sie Kindern ganz bewusst die Möglichkeit, ganz individuell die Blüten auszusuchen. Welche Blüte möchtest Du dieser verstorbenen Person mit auf den Weg geben?
Und wenn es auf der Sommerwiese ein ganzer Strauß wird, dann ist es ganzer Strauß 😊
4. Eine Trauerkerze zum Lichterkranz der Verbundenheit werden lassen
Eine Trauerkerze für die verstorbene Person zu entzünden ist bereits aus kirchlichen Ritualen bekannt. Eine Trauerkerze soll nicht nur Ihnen als Hinterbliebenen Licht, Wärme und Trost schenken, sondern der Verstorbenen/dem Verstorbenen auf dem Weg zum Licht leuchten.
Es kann ein wertvoller Beitrag der Trauerbewältigung sein, diese Kerze mit Wachsplatten, dem Malkasten, Tempera-Farben oder sonstigen Farben anzumalen und zu gestalten. Nicht das Ergebnis der Kerze ist ausschlaggebend, sondern die Aktion an sich, die Kerze zu gestalten! Auch Fertigbuchstaben oder Permanentmarker eignen sich, um Namen, ein Datum oder sonstige Wörter auf die Kerzen zu schreiben und die Kerze damit zu verzieren.
Es ist ein erhabener Moment, dieser Kerze in Rahmen der freien Gedenkfeier zu entzünden. Hier empfiehlt es sich, ein Windlicht aus Glas zu verwenden, um die Kerze vor dem Wind zu schützen.
Kerzenlicht - Wärme, Trost und Wegweiser zugleich im Moment des Abschiednehmens
Gemeinsam kann mit dem Licht der Trauerkerze in einem weiteren Schritt ein Lichterkranz der Verbundenheit entstehen. Jeder Trauergast bekommt dazu eine kleine rote Grabkerze in die Hand. Nahestehende Angehörige entzünden ihre Kerze an der Trauerkerze und geben anschließend das Licht weiter, bis zum Schluss jeder Trauergast eine brennende Kerze in der Hand hält.
Falls die Kerzen bei der Aussegnungshalle entzündet werden, kann anschließend in einem Trauerzug mit den brennenden Kerzen gemeinsam der Sarg oder die Urne zur letzten Ruhestätte begleitet werden.
Jeder Trauergast hält die brennende Kerze solange in der Hand, bis er diese in einem Lichterkranz um das Grab oder die Urne im Zeichen der persönlichen Verabschiedung stellen darf. Umrahmt mit schöner Musik wird dies zu einem besonderen Moment des Abschieds.
Kinder und der Lichterkranz der Verbundenheit
Lassen Sie die Kinder die roten Grablichter unter den Trauergästen verteilen. Eine schöne Aufgabe, die Kinder aktiv zu beteiligen. Auch können Kinder diejenigen sein, die als erste das Licht an der Trauerkerze entzünden und unter den Trauergästen verteilen.
5. Wunderkerzen entzünden
Den Moment des Abschiedsnehmens unter “einen guten Stern” stellen :-)
Genau zu diesem Zweck eignen sich Sternwerfer! Wunderkerzen versprühen seit jeher Zauber und Magie!
Ein sehr schönes Ritual zum Abschluss einer freien Gedenkfeier ist die Verwendung von Wunderkerzen. Als Abschlussritual werden diese, unter den Trauergästen verteilt, entzündet. In Kombination mit schöner Musik und einem der folgenden Sprüche zaubert dieser Moment eine ganz besondere Atmospähre, die lange positiv in den Herzen aller Anwesenden weiterlebt:
Lasst unsere Liebe und Dankbarkeit für XXX Funken sprühen …
Lassen wir gemeinsam die Liebe und Dankbarkeit für XXX leuchten …
Lassen wir Sterne für XXX regnen …
Lassen wir diesen Moment für immer in unseren Herzen leuchten …
Let love sparkle
Kinder und Sternwerfer
Kinder lieben Sternwerfer! Kinder können als Aktion die Sternwerfer unter den Trauergäste verteilen und auch Gläser mit Kerzen in der Hand halten, an dem die Trauergäste die Sternwerfer entzüden. Auch können 2-3 Gläser mit Sand (je nach Anzahl der Trauergäste) bereit gestellt werden, mit denen Kinder durch die Reihe gehen, um die abgebrannten Sternwerfer einzusammeln.